„Theater der Unterdrückten“
Augusto Boal ist Autor, Regisseur, Theatermacher, Entwickler des Theaters der Unterdrückten und er ist vor allem politischer Mensch. In den 60er Jahren entwickelte er auf Grund der Erfahrungen mit verschiedenen Methoden der Theaterarbeit eine Methode, die als „Theater der Unterdrückten“ bzw. als „Theater der Befreiung“ bekannt wurde. Dieses Theater wurde seitdem in vielen Ländern der Erde angewandt, erprobt und weiterentwickelt und bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Theater, Pädagogik und Psychologie.
Einer der Grundgedanken der Methode besteht für mich darin, das jeder Mensch die Fähigkeiten hat, seine eigene Situation zu erkennen und zu verändern. In der solidarischen Zusammenarbeit mit anderen kann ein Erfahrungsaustausch stattfinden und nach Lösungsmöglichkeiten gesucht werden. Die Form des Theaters bietet dabei die Möglichkeit Lösungsvorschläge in relativ geschütztem Raum zu erproben und dadurch Mut für die Anwendung in der Alltagspraxis zu entwickeln.
Wie läuft ein Workshop nach dieser Methode ab?
Übungen und Spiele aus der Theaterarbeit und anderen Bereichen, lockern die Teilnehmer auf. Übungen zur Bewegung im Raum, zur Selbst- und Fremdwahrnehmung, Ausdrucksmöglichkeiten, Einsatz der Sinne zeigen den Teilnehmern längst vergessene Möglichkeiten/Fähigkeiten auf. Natürlich übergehend lernen die Teilnehmer das Statuentheater kennen. Themen werden nach Wünschen der Teilnehmer bestimmt. Gruppenweise werden dann „Statuengruppen“ zu den ausgewählten Themen „gebaut“. Der Bau dieser lebenden Bilder erfolgt ohne große Diskussionen, wortlos und relativ zügig. Ähnlich einem Rundgang in einer Galerie werden anschließend die entstandenen Bilder betrachtet und kommentiert. Die Bilder werden in der weiteren Folge mit verschiedenen Techniken bearbeitet.
Das Forum-Theater ist eine weitere Möglichkeit Konflikte darzustellen und zu bearbeiten. Gruppenweise werden jetzt kleine Szenen entwickelt.
Vorschläge zur Lösung von Konflikten werden nicht endlos diskutiert, sondern können konkret in der Szene erprobt werden.
Der Mensch kann Situationen verändern, aber dazu muss er handeln. Menschen Ratschläge erteilen ist einfach, hat aber den Nachteil, das man für den anderen nicht handeln und auch nicht seine Risiken tragen muss. Theater der Befreiung ist keine Agitation und Propaganda, es kann Anleitung zum Handeln sein, es ist Mutprobe und Mutmacher.
(T.G. , März 2004)